Mieter vs. Vermieter

Es ist keine neue Erkenntnis, der Vermieter ist „der Feind“ des Mieters.
Zwar war das Verhältnis nie so schlecht wie zur Zeit, aber das trifft auch nur auf größere private Konzerne zu, die mit dem Vermieten von Wohnraum Profite erwirtschaften wollen.
Noch immer gibt es viele Kleinvermieter, Privatpersonen mit durchschnittlich 4 Wohnungen in ihrem Besitz, die drei Wohnungen vermieten um damit die Investitionen für alle 4 Wohneinheiten abzahlen zu können, während sie selbst eine ihrer Eigentumswohnungen bewohnen.
Für Mieter in den meisten Fällen ist das günstig, die Vermieter legen Wert auf seriöse Mieter, die regelmäßig ihre Miete zahlen, sie sind direkt ansprechbar und auch oft bereit Instandhaltungs- und Modernisierungswünsche ihrer Mieter zu erfüllen.
Probleme haben diese Vermieter (leider) oft mit Mietnomaden, die weder ihre Miete regelmäßig bezahlen, noch einer Kündigung Folge leisten, und schließlich die Wohnung in einem verwüsteten Zustand zurücklassen.

Doch hier geht es um Unternehmen, die in Größenordnungen von mehreren tausend Wohnungen die Vermietung zum Hauptgeschäft gemacht haben.

Gerne wird die Deutsche Wohnen an erster Stelle genannt, aber auch etliche andere Unternehmen – besonders asiatische oder nordamerikanische – kaufen hier Wohnraum auf, der sich oft in katastrophalem Zustand befindet, da die Vorbesitzer finanziell nicht in der Lage waren die Immobilien in vernünftigem bewohnbaren Zustand zu erhalten.
Entweder werden die Mieten dann drastisch erhöht ohne überhaupt in Sanierung oder Instandhaltung zu investieren, um die Altmieter zu vertreiben, oder es findet eine „Luxussanierung“ statt, die zu erheblich höheren Mieten führt, bisweilen werden die Wohnungen dann auch zum Kauf angeboten, so dass die Mieter sich dann mit einer Vielzahl neuer Wohnungsinhaber auseinandersetzen müssen.

Alle Strategien führen dazu, dass Wohnraum in Berlin immer unbezahlbarer wird, wobei unbezahlbar bedeutet, dass Normalverdiener sich die Miete nicht mehr leisten können.

Das alles hat dazu geführt, dass die Initiative „DW & Co enteignen“ gegründet wurde, obwohl die DW sicher nicht der unangenehmste Vermieter ist, die Durchschnittsmieten bei der Deutsche Wohnen liegen etwa 1 Euro/m² höher als bei den landeseigenen Unternehmen.
Und ob enteignen oder korrekter „vergesellschaften“ ein erfolgversprechender Weg gegen steigende Mieten ist, bleibt umstritten bei Juristen wie bei Politikern.
Der Königsweg wäre per Gesetzänderung die Praxis der „Luxusmodernisierungen“ mit Vertreibung von Altmietern zu unterbinden (was im sogenannten Mietrechtanpassungsgesetz versucht wurde) und auch die Mietsteigerungen bei Neuvermietung zu begrenzen.
Noch immer gilt für Neuvermietungen, dass die Miete 10% über der OVM (ortübliche Vergleichsmiete) liegen darf oder höher als die OVM sein darf, wenn der Vormieter bereits diese Miete gezahlt hat.
Und dass Vermieter alle 15 Monate die Miete erhöhen dürfen ist ebenso unverändert im §558 BGB festgeschrieben, und zwar derart, dass in 3 Jahren die Miete um nicht mehr als 20% steigen darf, sofern sie noch unterhalb der OVM liegt.
Für Ballungsräume mit Wohnraumknappheit gelten 15% im selben Zeitraum, und das alles ohne dass Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen wurden.

Für Mieter der landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) in Berlin gelten günstigere Regeln, die in einer Kooperationsvereinbarung mit dem Senat festgelegt wurden. Für sie gelten 4% Mieterhöhung in zwei Jahren als Obergrenze, allerdings gibt es keine Sonderregelungen für Neuvermietungen, abgesehen vom 60%-Anteil, der WBS-Inhabern vorbehalten ist.

Mietervertretungen in einigermaßen gleichen Organisationsformen als Mieterräte und Mieterbeiräte gibt es bei den LWU, bei privaten Vermietern – egal ob Einzelpersonen mit geringem Wohnungsbestand oder Gesellschaften mit großem Bestand – sind nur in Einzelfällen Mieterinitiativen vorhanden, die sich bemühen die Interessen der Mieter gegen den Vermieter durchzusetzen.
Je umfangreicher der Wohnungsbestand des Vermieters ist, desto schwerer ist es auch die verständlichen Interessen nach gleichbleibend niedrigen Mieten zu erkämpfen, denn seit Kapitalanlagen bei Banken kaum noch Zinsen bringen wird zunehmend in „Betongold“ investiert, d.h. Wohnraum wurde zum Spekulationsobjekt und soll hohe Rendite abwerfen ohne dass größere Ausgaben notwendig sind.
Im Klartext bedeutet das, dass Wohnraum billig aufgekauft wird, oft unsanierter Altbau, den man weiter verfallen lässt und dennoch auf einen Preisanstieg hofft, um ihn gewinnbringend wieder zu verkaufen, oder man investiert in eine Modernisierung mit nachfolgender Mieterhöhung (siehe §559 BGB) und erwirtschaftet auf diese Weise Gewinne, wenn auch langfristig. Gelingt es durch die Mietpreissteigerung Bestandsmieter zur Kündigung zu treiben, so kann man bei Neuvermietung auch schneller Gewinne erzielen, da die Neuvermietungsmiete sogar 10% höher sein darf als die OVM.

Gleichzeitig treibt man damit die OVM in die Höhe, was gut an den Veränderungen im Mietspiegel abzulesen ist, der alle 2 Jahre neu erstellt wird.

Insofern bleibt es beim ewigen Dissens zwischen Mietern und Vermietern:
Mieter wünschen sich eine gut gepflegte und instand gehaltene Wohnung im angenehmen Wohnumfeld zu bezahlbarer Miete (nicht  mehr als 30% des Nettoeinkommens), der Vermieter möchte mit wenig finanziellem Aufwand die Miete so oft erhöhen, wie es das Gesetz erlaubt und auch gerne die OVM überschreiten.
Wenn er dazu die Mieter „austauschen“ muss, dann wird es das gerne tun, um finanzstarke Neumieter mit höheren Neuvermietungsmieten in seine Wohnungen zu locken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.