Mietpreisentwicklung

Schon lange wissen wir, dass Wohnen zur Miete einige Vorteile hat, aber auch, dass die Mieten regelmäßig erhöht werden.
Darüber kann man lange klagen, die deutsche Gesetzgebung erlaubt diese regelmäßigen Steigerungen. Schon vor mehr als 40 Jahren gab es in Berlin die Angst, dass die Stadt ein „weißer Kreis“ wird, also Mieten ungezügelt in die Höhe schießen.
Das Beispiel München erschreckte damals viele Berliner, die in einem „schwarzen Kreis“, also einem Gebiet mit Mietpreisbindung, wohnten.
1987 wurde die Mietpreisbindung abgeschafft und ein verbindlicher Mietspiegel als Instrument zur Mietenregulierung eingeführt.
Daher steigen seit nunmehr 30 Jahren die Mietpreise kontinuierlich an.

Schauen wir uns die aktuelle Entwicklung in den Großstädten an, so wird klar, dass sich viele Arbeitnehmer mit durchschnittlichen Einkommen das Wohnen in den Städten, und damit in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, nicht mehr leisten können.

In den letzten 5 Jahren sind die Bestandsmieten um fast 30% gestiegen, wohl kaum ein Arbeitnehmer hat 30% mehr Lohn in der Tasche gegenüber 2013.
Damit nimmt die Miete einen immer größeren Anteil des Einkommens, vereinzelt kenne ich Fälle in denen bereits 50% des Einkommens für die Wohnung bezahlt werden müssen.
Besser kann es nicht werden, denn Wohnungen sind knapp in den Ballungsräumen, wir haben ein Defizit von 40.000 in Berlin.
Auch wenn bundesweit (angeblich) 1 Million Wohnungen leerstehen sollen, den Großstädten nützt es nichts. Die Landflucht oder Urbanisierung ist ein weltweites Problem, Arbeitsplätze verlagern sich mehr und mehr in die Ballungsgebiete, und damit auch der Wunsch der Arbeitnehmer seinen Wohnort dorthin zu verlegen.

Der ungebremste Flüchtlingszuzug hat seinen Teil dazu beigetragen, da die Politik nicht in der Lage zu sein scheint den Flüchtlingsstrom zu kanalisieren und die Flüchtlinge vernünftig zu verteilen, z.B. unter Nutzung der leerstehenden Wohnungen.

In Berlin haben sich durch die Verknappung von Wohnraum die Mieten um fast 8% innerhalb eines Jahres erhöht, bei 11,65 Euro/ m² liegt der aktuelle Durchschnitt.
Für einen Ein-Personen-Haushalt mit 50 m² Wohnraum bedeutet das eine Nettokaltmiete von 582,50 Euro. Bei einem Durchschnittsnettoeinkommen von 1400.- Euro sind das fast 42% des Einkommens – und das ist erst die „Kaltmiete“, die Betriebskosten sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Es ist Zeit die Grundlagen zur Mietberechnung per Mietspiegel zu verändern.
2019 gibt es den nächsten Berliner Mietspiegel, die Arbeitsgruppe Mietspiegel hat wieder den schweren Auftrag, die Interessen von Vermietern und Mietern zu koordinieren und tragfähige Kompromisse zu finden.
Besonders große private Wohnungsunternehmen wie die Deutsche Wohnen lassen nichts unversucht, den Mietspiegel zu diskreditieren und gegen Mieter zu klagen, die eine Mieterhöhung mit Hinweis auf den geltenden Mietspiegel ablehnen.

Aus Mietersicht gibt es viele Punkte, die unlogisch oder mieterfeindlich sind.
Warum ist Parkett- oder Laminatfußboden mieterhöhend?
Oder die Ausstattung mit Fliesen im Bad auch außerhalb des direkten Nassbereichs?
Warum soll man für Bereitstellung von Parkplätzen mehr Miete zahlen, obwohl man gar kein Auto besitzt?
Und wie kommt es dazu, dass in einer Straße manche Häuser als „einfache Wohnlage“ gelten, andere jedoch als „mittlere Wohnlage“?

Vieles erschließt sich dem Laien nicht, viele Bestimmungen sind nur dazu nützlich die Mieteinnahmen zu erhöhen.
Modernisierungsumlagen von 11% jährlich verführen zur Luxusmodernisierung, mit der Hoffnung auf den Auszug von Bestandsmietern, denn deren Mieten kann man nicht einfach nach Belieben erhöhen.
Und da es kaum Bestandsmieter gibt, die bereit sind ihre preiswerten Wohnungen (im Vergleich zum Berliner Mietspiegel) aufzugeben, muss man als profitorientierter Vermieter zu fragwürdigen Methoden greifen.

Die 2015 eingeführte „Mietpreisbremse“ wirkt nicht, da es keine Sanktionen für Verstöße gibt, und nur wenige Mieter es wagen den Klageweg gegen zu hohe Mietforderungen einzuschlagen.
Auf bundespolitischer Ebene wird es keine Nachbesserungen geben, da die CDU alle derartigen Versuche blockiert, so dass für Berliner Mieter nur der Weg über eine Anpassung des WoVG (Wohnraumversorgungsgesetz) bleibt.
Und das möglichst schnell, da niemand weiß, wer nach der nächsten Berliner Wahl die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen leiten wird.

Hinweis auf einen Artikel der taz: Schattenseiten des Wachstums