Wohnungsbau in Berlin

Tatsächlich, schon wieder eineinhalb Monate vergangen seit meinem letzten Blogbeitrag.

Na gut, bisweilen sind andere Dinge einfach wichtiger, aber zum Thema „Bauen, bauen, bauen…“ muss man einfach mal etwas schreiben, da derzeit die SPD – trotz Koalition mit Linken und Grünen in Berlin – der Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen vorwirft, dass sie den Neubau in der Stadt blockiert.
Wahr ist, dass man mit Neubau allein die Wohnungsnot nicht beseitigen kann, dazu gehört vor allem Neubau zu moderaten Mieten.
Wahr ist auch, dass die Bauwirtschaft gar keine Kapazitäten frei hat um mehr zu bauen als sie das derzeit bereits macht – ungelernte Schwarzarbeiter auf dem Baumarkt wollen wir nicht.
Wahr ist auch, dass Baugenehmigungen allein keine Wohnungen schaffen. Viele Investoren kaufen Brachland und beantragen Baugenehmigungen, da ihre Grundstücke mit einer Baugenehmigung ein Vielfaches des Kaufpreises wert sind.
Es nützt also nichts, die Anzahl der Baugenehmigungen aufzuzählen und zu behaupten es läge am Senat, wenn dort nicht tatsächlich gebaut wird.

Ein- und Zweifamilienhäuser werden die Wohnungsnot auch nicht beseitigen, insofern ist es unsinnig die 2000, die 2016 gebaut wurden, in die Gesamtzahlen miteinzubeziehen.

2017 wurden rund 3000 Wohnungen von den landeseigenen Gesellschaften gebaut, etwa 17.000 von privaten Bauherren, dazu zählen auch die Genossenschaften.
Die geforderte Zahl von 20.000 Wohnungen wurde also knapp erreicht.
Dennoch bleibt „bezahlbarer Wohnraum“ knapp, 55% der mit öffentlichen Mitteln erbauten Wohnungen werden zu sozial verträglichen Mieten angeboten für WBS-Inhaber, 30% der privat investierten Wohnungen sollen ebenfalls für Mieten von 6,50 Euro/ m² auf dem Wohnungsmarkt erhältlich sein.
Durchschnittlich darf man mit 50 bis 80 Mitbewerbern auf diese Wohnungen hoffen.

Wahr ist im übrigen auch, dass nur ca. 20% der bebaubaren Flächen dem Land Berlin gehören.
Die Probleme sind also vielfältig, dazu gehört auch die Tatsache, dass Planungen Zeit in Anspruch nehmen, Flächennutzungsplan, Bauplanung, Bauverordnungen, Sicherheitsvorschriften, Umweltschutz – all das macht die Vorbereitungen schwierig und langwierig und den Bau letztlich teuer.
Baumaterialien wechseln? Wohnstandards herabsetzen? Typenbau normieren?
Der Ideen gibt es viele, die den Bau wieder preiswerter machen sollen. Manchmal stehen auch Bundesgesetze den Ideen entgegen, und dann ist es sinnlos weiter darüber nachzudenken, da die CDU/CSU nicht mieterfreundlich ist.
Allerdings geben auch FDP und AfD den „guten Rat“, wer Probleme mit der Mietzahlung hat (wegen zu geringen Einkommens), der solle doch eine Wohnung kaufen.

Realitätsferne kann man kaum besser beschreiben. Arroganz wahrscheinlich auch nicht.

Es bleibt also nur ein einsamer Berliner Weg, über Landesgesetze wie das WoVG (Wohnraumversorgungsgesetz), das allerdings novelliert werden muss, da die bisherigen Bestimmungen zwar die richtige Richtung vorgeben, aber dringend verbessert werden müssen.
Und zwar bevor die Legislaturperiode zu Ende geht!