Wohnungsbau-Tag

Am 1. März fand ein Symposium zum Thema Wohnungsbau in Deutschland statt, nicht zum ersten Mal, sondern bereits seit 2009 jährlich , also war es der 10. Wohnungsbau-Tag.

Viele interessante Fakten, Ideen und Versäumnisse wurden an diesem Tag angesprochen, Polit-Akteure kamen ebenso zu Wort wie Immobilienunternehmen, Wissenschaftler (Pestel-Institut) und Mietervertreter (DMB).
In Deutschland fehlen 1,5 Millionen Wohnungen, während gleichzeitig 1,5 Mill. Wohnungen leerstehen. Paradox?
Keineswegs, denn die leerstehenden Wohnungen befinden sich in Regionen ohne Arbeitsplätze, die Menschen zieht es in die Ballungszentren, weil sie dort Arbeit finden und verständlicherweise in der Nähe eine Wohnung suchen.

Welche Arbeitswege heute in Kauf genommen werden, sieht man an VW-Mitarbeitern aus Wolfsburg, die in Berlin wohnen und täglich den ICE nutzen für die Wege von und zur Arbeitsstelle.
Mir ist auch eine Person bekannt, die in Leipzig arbeitet und in Berlin wohnt, ebenfalls täglich den Arbeitsweg mit dem ICE zurücklegt.
Was erst einmal unglaublich klingt, ist gar nicht so abwegig, denn wer am östlichen Ende der Stadt wohnt und am westlichen Ende arbeitet, ist mit dem ÖPNV ebenso lange unterwegs wie die genannten Arbeitnehmer aus Wolfsburg oder Leipzig.

Wohnungen zu finden, die mit dem eigenen Einkommen bezahlbar sind, wird immer schwerer in Großstädten und Ballungsräumen. Für jede freie Wohnung ist entweder ein WBS erforderlich oder man darf mit 70 bis 120 Mitbewerbern anstehen und hoffen.
Noch vor 18 Jahren standen in Berlin 110.000 Wohnungen leer, Hochhäuser wurden „zurückgebaut“ (also die oberen Etagen entfernt) oder ganz abgerissen. Die Stadtplaner hatten in den 90er Jahren mit einem Boom gerechnet, der Berlin zu einer 4,5- oder 5-Millionen-Stadt machen würde.
Doch er blieb aus bzw. setzte erst 15 Jahre später ein.
Heute gibt es weltweit den Trend zur Urbanisierung, Berlin wächst durchschnittlich um einen bis zwei Einwohner je Stunde.
Damit liegen wir weit entfernt von Metropolen wie Lagos (85 je Stunde), Delhi (79), Kinshasa (63), Shanghai (53) oder Mexico City (22).
Doch überall ist die Bevölkerungswanderung in Richtung der Städte zu erkennen.

Bleiben wir in Deutschland, der Wohnraumbedarf bzw. Flächenverbrauch je Einwohner ist auf über 40 m² gewachsen, davon träumen Einwohner in Tokio oder Singapur.
Darüberhinaus steigt der Anzahl der Ein-Personen-Haushalte, so dass Zwei-Raum-Wohnungen besonders gefragt sind. Mit einem Zimmer geben sich nur noch diejenigen zufrieden, deren Einkommen so niedrig ist, dass sie Sozialleistungen erhalten.
In den teuren Regionen sind die Neubaumieten auf 12 bis 14 Euro/ m² gestiegen, bei privaten Vermietern liegen sie noch höher, dagegen gibt es immer noch Regionen in Thüringen und Sachsen, bei denen die Preise unter 5 Euro/ m² liegen. 7 der 10 teuersten Regionen liegen in Bayern, die Hauptstadt München gehört – wie erwartet – dazu.

Die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften sind nicht in der Lage den Bedarf zu decken, auch nicht durch Neubau.
Auch Probleme wie der Mangel an Pflegekräften hängt damit zusammen, selbst wenn das nicht auf den ersten Blick erkennbar ist.
Aber warum fehlen in München so viele Kranken- und Altenpfleger?
Weil die ausgebildeten Kräfte sich eine Wohnung in München nicht leisten können und deshalb woanders einen Arbeitsplatz suchen. Jede freie Stelle bleibt deutschlandweit durchschnittlich ein halbes Jahr unbesetzt, doch das Thema Pflegenotstand will ich hier außen vor lassen.

Wichtiger ist, Wege zu finden den Wohnungsmangel zu bekämpfen und Wohnraum für jede Einkommensgruppe verfügbar zu machen.
Wer z.B. in Hamburg 12.000 Euro monatliche „Wohnflatrate“ bezahlen kann, hat kein Problem ein Luxusappartment zu bekommen. Darin enthalten sind Strom, Wasser, Satelliten-TV, Internet, Telefon und mehr – war sicher klar bei dem Preis.
Doch wer versucht für 12.000 Euro im Jahr angemessenen Wohnraum zu finden, der hat schon weniger Chancen.

Potenzielle Bauherren beklagen, dass rund 50% der Neubaukosten schon in den Grundstückserwerb fließen, da seit Jahren Spekulanten auf steigende Grundstückpreise gesetzt haben.
Selbst die BImA (Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten), die bundeseigene Grundstücke verwaltet, verkauft diese höchstbietend, Städte, Kommunen oder kommunale Träger bekommen keinen Rabatt und kein Vorkaufsrecht. Damit wird das Bauen von Wohnraum auch für landeseigene Wohnungsunternehmen extrem verteuert, weitere Probleme bereiten die seit Jahren wachsenden gesetzlichen Anforderungen und Bauvorschriften.

Außerdem wird es zunehmend schwieriger Bauunternehmer zu finden, die freie Kapazitäten haben. Das ist längst keine Frage des Preises mehr, die Baufirmen haben sich übernommen und weit mehr Aufträge angenommen als sie tatsächlich bewältigen können.

Die Folgen:
Die Arbeiten tauchen mal hier auf einer Baustelle auf, dann wieder tagelang auf einer anderen, so dass jegliche Bauplanung nicht termingerecht ablaufen kann.
Zudem werden illegale Arbeitskräfte ohne Arbeitserlaubnis – oft auch ohne fachgerechte Ausbildung – eingesetzt, die keine Tariflöhne, nicht einmal Mindestlöhne erhalten, nicht versichert sind und obendrin durch unsachgemäß ausgeführte Arbeiten den Gesamtbau gefährden.

Fazit: Der Wohnungsbautag 2018 zeichnete ein trübes Bild, eine dunkle Zukunft für den Wohnungsbau und die Versorgung mit genügend Wohnraum in Deutschland an den benötigten Stellen.