Wohnungsneubau

Immer wieder wird in den letzten Monaten auf den aktuellen Berliner Senat geschimpft, da offensichtlich die Ziele des Neubaus nicht erreicht werden.
Übersehen wird dabei immer, dass alles was 2017 fertiggestellt wurde (knapp 3000 Wohnungen) auf Planungen des vorherigen Senats beruht, der lange Zeit den Wohnungsmangel in Berlin geleugnet hat, dann viele der landeseigenen Grundstücke an private Investoren verkaufte, oftmals unter Wert, und diese haben dann Luxus-Eigentumswohnungen gebaut und verkauft.

Offensichtlich gibt es nach wie vor genug Interessenten, die finanzstark genug sind um für große Eigentumswohnungen 10.000 Euro/ m² zu bezahlen. Bezahlbare Mietwohnungen blieben beim Baugeschehen Mangelware, wobei mit bezahlbar Kaltmieten unter 7,50 Euro/ m² monatlich gemeint sind, denn bezahlbar ist letztlich alles, es ist lediglich eine Frage des Haushaltseinkommens.Warum verläuft der Neubau nun so schleppend?
Bauplanung ist ein schwieriges Geschäft, es sind viele Gesetze und Verordnungen zu beachten, Gesetzesnovellen der letzten Jahre haben das Bauen komplizierter und teurer gemacht, und selbst wenn man ein geeignetes Grundstück besitzt – nur ca. 20% der Bauflächen sind im Landesbesitz – und seine Planungen abgeschlossen hat, muss man einen Bauunternehmer finden, der die Pläne umsetzt.

Damit sind wir bei den Problemen und Hürden des Neubaus angekommen, Partizipation heisst der Begriff, der die Mitwirkung der beteiligten Bürger in der Umgebung des geplanten Neubaus beinhaltet, die oftmals zwar dafür sind, dass neue Wohnungen gebaut werden – aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Bürgerinitiativen gründen sich, die viele Gründe (er)finden um den Bau zu verhindern, seltene Tierarten, die geschützt werden müssen, Störung der Luftzirkulation oder kontaminierter Baugrund gehören dazu.
Ein weiteres Problem sind die Bauunternehmen, die zu mehr als 100% ausgelastet sind, gerne alle Aufträge annehmen, aber mit den vorhandenen Mitteln und Mitarbeitern die Aufträge gar nicht erfüllen können.
Das führt dazu, dass entweder die einzelnen Baustellen vernachlässigt werden, die Mitarbeiter im Wechsel auf unterschiedlichen Baustellen arbeiten oder illegale Schwarzarbeiter eingesetzt werden, denen auch oft die Qualifikation für die gewünschten Tätigkeiten fehlt.
Gerade bei Aufträgen der LWU (landeseigene Wohnungsunternehmen) ist es nicht hinnehmbar, dass illegale Mitarbeiter beschäftigt oder die Mitarbeiter nicht nach Tariflohn bezahlt werden.

Vor kurzen hörte ich auf einer Baustelle in Mariendorf, dass die Bauleiter täglich damit beschäftigt sind zu kontrollieren, ob alle Firmen und Mitarbeiter vor Ort sind und die geplanten Arbeiten durchgeführt werden, da andere Gewerke auf die Vorleistung bestimmter Firmen angewiesen sind um selbst die Planvorgaben einzuhalten.

Kurz gesagt, Bauen hängt derzeit nicht nur vom Geld ab, sondern von einer gewissenhaften Planung und Kontrolle der Bauarbeiten.

Und natürlich fehlt es weiterhin an sogenannten „Sozialwohnungen“ für entsprechend Bedürftige in Berlin, denn die Mieten der LWU sind im Neubau (bei Erstbezug) inzwischen auch bis auf 15 Euro/ m² Nettokaltmiete gestiegen und unterscheiden sich kaum noch von den Mieten privater Wohnungsunternehmen.

Gebaut wird weiter, die Planungen reichen bis ins Jahr 2030, von den geforderten 194.000 neuen Wohnungen sollen 37.580 von den LWU gebaut werden, der Rest bleibt der privaten Wohnungswirtschaft überlassen.
Diese möchte gerne dichter und höher bauen in Berlin, also eine Bebauungsverdichtung in der Innenstadt und Hochhäuser, sofern das genehmigt wird.

Warten wir ab, was tatsächlich realisiert wird, und ob das Wohnen in Berlin für alle bezahlbar bleibt.