Mieterhöhung

Bundestagswahl vorbei, Mieterhöhungsbegehren erhalten.
Zufall?
Vielleicht, jedenfalls landete am Montag nach der Wahl der Brief der Gewobag im Briefkasten. Obligatorisch ist die Frage:
Warum wird die Wohnung bzw. das Haus immer älter und die Miete immer höher?
Diese Frage kann niemand verständlich beantworten, richtige Antwort wäre:
Weil es möglich ist laut Gesetz und Mietspiegel.
Zwei Jahre gab es keine Erhöhung der Grundmiete (auch Kaltmiete genannt), daher sind 4% Erhöhung möglich, die ortsübliche Vergleichsmiete lt. Mietspiegel ist noch nicht erreicht, also ist das Verlangen des Vermieters legitim.

Klar ist auch, dass kein Mieter gerne eine Mieterhöhung hinnimmt, auch wenn wir uns in vielen Jahren daran gewöhnt haben, dass Vermieter das so handhaben und die gesetzlichen Möglichkeiten nach BGB ausschöpfen.
Eigentlich sind wir Mieter der LWU (landeseigenen Wohnungsgesellschaften) immer noch im Vorteil gegenüber den Mietern privater Unternehmen wie Vonovia oder Deutsche Wohnen.
Dort geht es um maximale Profite, da werden auch gerne Regelungen wie die Mietpreisbremse ausgehebelt um die Gewinne zu erhöhen und damit den Vorständen/Geschäftsführern hohe Boni zu gewährleisten.
Allerdings werden auch bei der Gewobag und den anderen 5 LWU den Vorständen Boni gezahlt, also handeln auch diese Gesellschaften nach marktwirtschaftlichen Kriterien, nicht nach sozialen Gesichtspunkten. Die Vergütungen und Boni sind den öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten der 6 LWU zu entnehmen.
Die Kooperationsvereinbarung zwischen Senatsverwaltung und den 6 Gesellschaften (April 2017) schützt die Mieter vor den übertriebenen Forderungen privater Gesellschaften, doch Mieterhöhungen verhindert sie natürlich nicht.

Die Frage nach dem Sinn und Verbleib der Mieteinnahmen soll dennoch gestellt werden. Der Vermieter hat nach BGB §535 die Mietsache in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeignetem Zustand zu erhalten, d.h. er ist in der Instandhaltungspflicht.
Dafür ist ein Teil der Grundmiete vorgesehen, die der Mieter entrichten muss. Ich habe mir erklären lassen, dass diese Kosten (für den Vermieter) bei ca. 2,50 bis 3 Euro/ m² und Monat liegen.
Damit ergibt sich die Frage: Und was macht ihr Vermieter mit dem Rest der Grundmiete?
Hier liegt der Durchschnittswert lt. Mietspiegel 2017 bei 5,07 Euro/ m², d.h. der Vermieter erwirtschaftet mit jedem Quadratmeter Wohnfläche den er vermietet hat mehr als 2 Euro monatlich – vorausgesetzt er erfüllt seine Instandhaltungspflichten.

Werfen wir kurz einen Blick auf die im ehemaligen Ostteil der Stadt vielfach vorhandenen Hochhäuser vom Typ WHH18 und WHH21, 8193 m² Wohnfläche bzw. 9639 m².
Ein monatlicher Profit von (mindestens) 16386 oder 19.278 Euro, jährlich also 196.632 bzw. 231.336 Euro springt dabei heraus, wahrscheinlich noch etwas mehr, da ich hier konservativ mit 2 Euro monatlichem Gewinn je m² kalkuliert hatte.
Noch kurz die Gesamteinnahmen, wenn wir bei den 5,07 Euro (Wohnungsgröße 60 – 90 m²) des Mietspiegels bleiben:
WHH18:  41.538,51 Euro monatlich, 498.462,12 Euro im Jahr
WHH21:  48.869,73 Euro monatlich, 586.436,76 Euro im Jahr.

Natürlich muss damit die Verwaltung der Mietwohnungen finanziert werden, dennoch sieht man schon an diesem Beispiel, dass die Vermietung ein profitables Geschäft ist, besonders wenn man nicht an die vorgegebenen Werte des Mietspiegels – in diesem Fall moderate 5,07 Euro – gebunden ist.
Wie das?
Nun, jede Neuvermietung bringt zusätzliche Mietsteigerungen, besonders für Vermieter im privaten Sektor, der nicht restriktiven politischen Vorgaben unterliegt.

Ach ja, da die Gewobag eine AG (100% im Besitz des Landes Berlin) ist, kann an die Vorstände neben ihrer Vergütung auch eine „Zieltantieme“ gezahlt werden, die immerhin bis zu 70.000 Euro betragen darf. Eine stolze Summe, die weit über das Jahresgehalt eines Durchschnittsverdieners hinausgeht.
Die Frage, ob Vorstände/ Geschäftsführer so viel „wert“ sind, kann ich nicht beantworten.

Aber schnell sind wir bei der Diskussion über Managergehälter in Millionenhöhe, die immer damit begründet werden, dass „gute Führungskräfte sonst in Länder abwandern würden, in denen sie besser verdienen“. Klingt plausibel, aber wie gut die deutschen Manager/ Führungskräfte sind, konnte man gerade an der Automobilindustrie sehen.
Ich finde, dass Dieter Zetsche, Martin Winterkorn und andere ihr Geld nicht wert waren.

Und nun genießen Sie Ihre Mieterhöhung und freuen Sie sich, wenn Ihre Grundmiete noch immer unter 6,50 Euro/ m² monatlich liegt.
Ach ja, die Mieterhöhung zum 1.12. als kleines Weihnachtsgeschenk ist geschickt platziert, da die Erstattung der (zu viel gezahlten) Betriebskosten mit der Miete am 1.11. erfolgt, werden viele Mieter gar nicht merken, dass sie ab 1.12. eine erhöhte Miete zahlen.