Berliner Wohnungspolitik

Leider immer wieder muss man als Mieter feststellen, dass Politik in Berlin nicht für die 85% der Bevölkerung gemacht wird, die zur Miete wohnt.
Kurz ein Blick auf den Berliner Wohnungsmarkt, auch wenn die Zahlen hier schon genannt wurden:

1,9 Millionen Wohnungen gibt es in Berlin,
davon rund 1,68 Millionen Mietwohnungen, der Rest sind sogenannte Eigentumswohnungen, also Immobilien in Privatbesitz, die vom Besitzer selbst bewohnt werden oder von ihm vermietet wurden.
Wie viele davon nach wie vor als Ferienwohnungen genutzt werden ist nicht bekannt.

Im Besitz der 6 LWU (landeseigene Wohnungsunternehmen) befinden sich derzeit 320.000 bis 330.000 Wohnungen, Genossenschaften besitzen ca. 200.000 Wohnungen in der Stadt, der Rest befindet sich in Privatbesitz.
Dazu gehören nicht nur Immobilienbesitzer mit 1 oder 2 Mehrfamilienhäusern, sondern auch börsennotierte Wohnungsunternehmen wie die Deutsche Wohnen und die Vonovia.
Insgesamt fast 200.000 Wohnungen gehören dazu, von denen die Deutsche Wohnen bereits 110.000 besitzt.
Große Investmentfonds wie Black-Rock halten Anteile an den Wohnungsbaugesellschaften und erwarten entsprechende Renditen. 8,6% Anteile der Deutsche Wohnen, 7,7 % Anteile der Vonovia gehören Black-Rock, und so ist es nicht verwunderlich, dass diese Gesellschaften auf „hochwertige Mieter“ setzen, die bereit sind Mieten von 14 Euro/ m² und mehr zu zahlen.

In München, Frankfurt a.M. und Hamburg kann man sehen, dass diese Klientel gar nicht so klein ist, wie man als Durchschnittsverdiener glauben möchte.
So gibt es z.B. in Hamburg ein Haus mit hochwertigen möblierten Luxusappartements, für die man keine „Miete“, sondern eine „Wohnflatrate“ zahlt. Das bedeutet, dass Wasser- und Stromverbrauch, Satelliten-TV und Telefonkosten darin enthalten sind, was bei 12.000 Euro Monatsmiete wohl auch angemessen ist.
Diese Wohnungen werden von Managern großer Konzerne angemietet, die für einige Monate bis zu wenigen Jahren in der Stadt arbeiten, und sich bei 8-stelligen Jahresgehältern durchaus 150.000 Euro jährliche Miete leisten können.
Da kann unsereiner nur von träumen, wir wünschen uns, dass die Mieten für Normalverdiener bezahlbar sind.

Ansonsten handelt es sich beim derzeitigen Wohnungsnotstand in Berlin um die Folgen einer verfehlten Wohnungspolitik über Jahrzehnte.
Wer die Probleme jetzt auf die 70.000 Flüchtlinge schieben will, verschleiert damit die wahren Ursachen.
1991 hatte Berlin 3,446 Mill. Einwohner, 1,754 Mill. Haushalte und 1,716 Mill. Wohnungen
2001 gab es 3,388 Mill. Einwohner, 1,860 Mill. Haushalte und 1,869 Mill. Wohnungen
Da konnte man durchaus von einem „entspannten Wohnungsmarkt“ sprechen, doch schon 2011 sah es wieder anders aus
mit  3,501 Mill. Einwohnern, 1,995 Mill. Haushalten und „nur“ 1,903 Mill. Wohnungen.

Ein (bundesweites) Problem sind die kleiner werdenden Haushalte, d.h. die Zunahme der Single-Haushalte. Damit steigt der Bedarf an Wohnungen schneller als die Einwohnerzahl.
Zudem wurden in Berlin viele landeseigenen Wohnungen – besonders nach der Wiedervereinigung 1990 – an private Investoren verkauft, vielfach unter Wert.
Durch die hohe Anzahl an landeseigenen Wohnungen in Ostberlin, die 1990 dem Land Berlin zufielen, gab es ab 3. Oktober 1990 480.000 Wohnungen in kommunalem Besitz.
Ein weiteres Problem ist die Anzahl der Wohnungsabgänge durch Abriss oder Zweckentfremdung, der nach Schätzung der Wohnungswirtschaft bei 1% jährlich liegt, in Berlin also ca. 19.000 Wohnungen ausmacht.
Das bedeutet, dass mindestens 19.000 Wohnungen jährlich gebaut werden müssten, um dafür einen Ausgleich zu schaffen, weitere um den Zuzug nach Berlin mit Wohnraum zu versorgen.
Die Abgänge tauchen jedoch in den Wohnungsmarktberichten nicht auf, nur die Zugänge durch Neubau werden erfasst.
Das Defizit steigt also jährlich um ca. 10.000 Wohnungen, dazu wird Baugrund immer teurer und neue gesetzliche Vorgaben zum Umweltschutz verteuern das Bauen weiter, so dass Fachleute heute mit 3000 Euro/ m² Wohnfläche im Geschosswohnungsneubau rechnen.

Ohne staatliche Zuschüsse wird kein Bauherr – selbst wenn er keine überzogenen Renditevorstellungen hat – Wohnungen anbieten können, die unter 10 Euro/ m² Nettokaltmiete monatlich liegen.
Daher ist es eine politische Aufgabe, die LWU mit entsprechenden Landesmitteln auszustatten, damit sie auch im Neubau die „sozialverträglichen“ 6,50/ m² anbieten können.