Betriebskosten – die zweite Miete

Mal ehrlich, wer von Ihnen hat nicht schon vor der jährlichen Betriebskostenabrechnung gesessen und ist verzweifelt an der Unüberschaubarkeit der vielen aufgeführten Posten.
Zuerst die Komplettkosten für das ganze Mehrfamilienhaus, dann die Aufteilung auf die Wohnfläche, dann daraus berechnet der Anteil, den man als Mieter zu bezahlen hat.

Warum sind die Heizkosten so hoch? Der Winter war doch nicht lang und kalt, und so viel geheizt habe ich doch gar nicht.

Warmwasserverbrauch, Kaltwasserverbrauch, Abwasser, was sind das alles für Zahlen? Wer hat die gemessen und wo?

Wenn man dann auch noch liest oder hört, dass bei der Abrechnung der Betriebskosten viele Fehler vom Vermieter gemacht werden können und dass deshalb fast jede zweite Abrechnung fehlerhaft ist, dann wird es Zeit sich damit auseinanderzusetzen.
So hat z.B. jeder Mieter das Recht, sich beim Vermieter die detaillierte Abrechnung zeigen und erklären zu lassen. Natürlich ist das ein Horror für jeden Vermieter, der mehr als ein Dutzend Wohnungen verwaltet.
Dennoch sollte man als Mieter darauf bestehen, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, z.B. weil jährlich höhere Nachzahlungen anfallen.
Wer Mitglied in einem Mieterverein ist oder eine Rechtsschutzversicherung inkl. Mietrecht abgeschlossen hat, kann sich professionelle Hilfe bei der Prüfung der Betriebskosten holen. Dies ist sicher die bessere Möglichkeit, da man in großen Verwaltungen (z.B. bei Wohnungsbaugesellschaften) leider oft auf Mitarbeiter trifft, die sich auf die rechnergestützte Abrechnung verlassen und selbst gar nicht erklären können, was die Posten in der Betriebskostenabrechnung bedeuten bzw. wie sie zustande gekommen sind.
Allein die Heizkostenberechnung ist vielen ein Buch mit sieben Siegeln, weil der Gesetzgeber in der Heizkostenverordnung Spielraum für die Aufteilung von festen Kosten und verbrauchsabhängigen Kosten lässt.
So darf der verbrauchsabhängige Anteil zwischen 30% und 50% liegen, da die Gesamtkosten abhängig sind von Alter und Zustand des Gebäudes, also z.B. dem Wärmedämmwert.

Weitere nicht nachprüfbare Posten sind z.B. Gartenpflege, Gebäudereinigung, Hausmeistertätigkeiten. Die Vermieter können dazu Tochterunternehmen gründen, die diese Tätigkeiten übernehmen. In bestimmten Fällen können dann Ausschreibungen entfallen nach §108 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen.
Damit kann also der Mutterkonzern die Preise für diese Dienstleistungen vorgeben, die dann mit dem Tochterunternehmen abgerechnet werden und der Mieter darf sie bezahlen – Widerspruch zwecklos.

In diesem Zusammenhang kann ich auf die Praxis bei der WBG Stadt & Land verweisen.

So kommen dann schnell „Mieterhöhungen“ zustande, die eigentlich auf einer Erhöhung der Betriebskosten beruhen. Das Fatale dabei ist, dass diese nicht nur alle 15 Monate erhöht werden dürfen wie die Kaltmiete, und sie sind völlig unabhängig von den „normalen“ Mieterhöhungen.